Interview mit Jennifer "Jennicide" Leigh

Interview mit Jennifer "Jennicide" Leigh


  Ein jeder männlicher Poker Spieler, der bis jetzt noch nichts von Jennifer "Jennicide" Leigh gehört hat, ist wahrscheinlich der Typ, der seine eigenen Kleider schneidert und der die Welt der Haare und des Makeups als eine legitime Berufsoption beurteilt.



  Jennifer hat sich nicht nur einen Namen in der Welt des Pokers durch einen beeindruckenden Onlinerekord gemacht, wo sie auch in einigen der größten Turniere der Welt Kasse gemacht hat, sie hat auch für Aufruhr in Magazinen, wie FHM und Playboy, gesorgt. Es wäre aber ein Fehler, zu glauben, dass sie nur das Ergebnis diese Teile ist, die die Kamera doch immer so schön einfängt. Als wir die Gelegenheit hatten, mit ihr zu reden, haben wir herausgefunden, dass diese junge Dame viel mehr anzubieten hat.



LaunchPoker: In einem kürzlich erschienenen Artikel im WPT Magazin hast Du eine Bemerkung über den Typ Spieler gemacht, der die „All-in” Wette als eine offensive Waffe bedient. Du hast es ja versucht – für Dich hat es ja geklappt und überhaupt hast Du die Strategie, dass Du eine schlechte Spielerin bist, in den Müll geworfen. Kannst Du uns mehr darüber sagen?

Jennifer Leigh: Ich bin der Typus Girl, der Strategien gerne hat. Als ich drei Jahre alt war habe ich Videospiele gespielt und ich spiele sie immer noch die ganze Zeit. Und wenn ich dann jemanden sehe, der seinen Stapel in, sagen wir, einen Hundert Dollar Pot hineinstopft, da bin ich ganz "dies ist doch kein Spiel".



LP: Übrigens, als wir die Nachforschung über Dich machten, haben wir bemerkt, dass Du sehr stark auf World of Warcraft stehst.

JL: Das ist ein ganz anderes acht Stunden langes Gespräch.



LP: Außer dem Warcraft Zeug haben wir auch einige andere sehr interessante Kleinigkeiten Deiner Vergangenheit bemerkt. Du musst aber wissen, dass wenn wir das sagen, wir dies nur in der besten und liebevollsten Art und Weise meinen: Du bist ein böses Mädchen.

JL: Wie denn?



LP: Du warst eine Zeit lang mit „Beige Boxing” verknüpft.

JL: Oh Gott. Siehst Du, das ist doch nicht ein „böses Mädchen”. Das ist doch nur so, man kann sagen, dass ich einfach nur ein Girl bin, das sich langweilt. Ich glaube nicht „böse”. Heute ist die Beige Boxing Sache total unmodern geworden. Ich nahm an Telekonferenzen und anderen Sachen teil und wir haben alles Mögliche gephreakt. Heute wird dieses Zeug kostenlos angeboten, doch damals, in den Neunzigern, war dies einfach unser Preis und Ruhm: imstande sein, gewisse Systeme zur Kommunikation zu benutzen. Wir wussten, dass gewisse Technologien vorhanden waren und wir wussten, dass wir sie benutzten konnten.



LP: Im letzten Jahr hast Du viel Aufmerksamkeit auf Dich gezogen. Als Du angefangen hast, Poker zu spielen, war es das, was Du erwartet hast?

JL: Durchaus nicht.



LP: Bist Du davon etwas überwältigt?

JL: Nein. Ich glaube, dass ich heute schon daran gewöhnt bin. Man bekommt ja viel Aufmerksamkeit als eine Frau in einer x-beliebigen kleinen Subkultur und ich denke, dass ich eine wirklich sehr soziale Person bin. Ich meine, wenn jemand mit mir reden will, werde ich normalerweise mit ihm reden. Ich spüre, dass ich ihm das schulde, so meine ich auf jeden Fall. Manchmal geht’s mir auch ein bisschen auf die Nieren, vor allem wenn ich ganz toll bin, doch ich habe ein ganz tolles Verhältnis zu meinen Eltern und mein Vater sagt mir, dass ich immer Kurs halten soll, was immer ich auch mache.



LP: Was denken Deine Eltern über das ganze Poker Zeug?

JL: Sie sind meine Schützenhilfe, um ehrlich zu sein. Sie wissen, dass ich mich wahrscheinlich nie mit irgendetwas Traditionellem befassen werde: ich war halt nie ein traditionelles Girl. Ich habe halt immer mit jedem über alles gekämpft. Ich liebe es, zu diskutieren und außerdem, liebe ich ab und zu eine kleine erhitzte Auseinandersetzung. Ich denke, Du könntest sagen, dass ich ein Flair für Drama habe. Ich weiß es nicht.



LP: Soweit es sich um erhitzte Auseinandersetzungen handelt, hast Du jemals jemanden getroffen, der dann am Ende der Auseinandersetzung, es einfach nicht über sich bringen konnte, Hände zu schütteln und den Kehraus zu machen?

JL: Das passiert normalerweise, wenn eine Freundschaft oder eine Beziehung nicht mehr funktioniert. Wenn sie halt einfach nicht verstehen, wie ich arbeite. Wenn jemand keine Auseinandersetzung mit mir haben will oder wenn er einfach nur Blabla redet, das ist wahrscheinlich ein schlechter Wortlaut, dann ist es jemand, der mich einfach gar nicht herausfordert.



LP: Also, Du hast viele Menschen in Deinem Leben getroffen, die Dich intellektuell nicht herausgefordert haben?

JL: Genau. Ich liebe es, Spaß zu haben aber für mich, Spaß haben, ist nicht nur ausgehen. Mein Spaß ist ein anregendes und intelligentes Gespräch anstatt dass Leute mich anschauen und sagen: „Über was redest Du denn überhaupt”. Es macht Spaß, von einer Unterhaltung wegzugehen und zu wissen, dass ich etwas darüber abgewinne und dass ich daraus dann auch vielleicht ein bisschen Demut gelernt habe oder vielleicht „Toll, das war eine echt tolle Unterhaltung. Vielen Dank dafür”. Etwas, das wirklich schwer ist, zu finden.



LP: In den alten Tagen, bevor Du eine Poker Spielerin warst, was wolltest Du mit Deinem Leben machen?

JL: Ich wollte eine Bürgerrechtsanwältin für Körperschaftsrecht werden. Ich bin schon etwas eine Kämpferin und ich habe gedacht, dass mein echter Kampf vielleicht irgendwo in einem Gerichtssaal sein könnte. Es gibt viele Leute, die so einfach alles akzeptieren. Sie akzeptieren „es ist halt einfach so, also werde ich es auch so machen”. Nun ja, ich glaube nicht daran. Es gibt immer einen Weg, um sich für etwas, an das man glaubt, einzusetzen und ich habe immer daran geglaubt, dass, egal wo Du auch bist oder was immer Du machst, Du Dich nie einigen solltest.



LP: Dein Interesse an das Gesetz aus der bürgerrechtlichen Perspektive bringt eine sehr strittige Angelegenheit herauf. Wie ist Deine Meinung zu dem Gesetz „Unlawful Internet Gambling Enforcement Act”, das den Spielern in den Vereinigten Staaten aufgezwungen wurde?

JL: Meiner Meinung nach verstößt es gegen unsere konstitutionellen Rechte. Wie ich es sehe ist es fast genauso, wie sie es damals mit Alkohol gemacht haben. Ich kenne nicht die genaue Geschichte darüber. Ich kenne mich nicht so genau aus mit der amerikanischen Geschichte. Falls Du mich über König Arthur oder jede andere Sache wirklich alter europäischer Geschichte aus dem Mittelalter ausfragen möchtest, ja das wäre dann mein Fall. Aber wie ich es sehe ist Online Poker da. Poker ist eine amerikanische Tradition und wir machen es einfach nur in den eigenen vier Wänden. Letztendlich ist Poker nicht etwas, dass sie von uns wegnehmen werden können. Also müssen sie es einfach akzeptieren und wissen, dass es da ist. Ich glaube, dass viele der jüngeren Spieler glauben, und ich mache hier nur eine Verallgemeinerung, dass sie sich nicht an ihren lieben Uncle Sam halten müssen, also ist es ihnen eigentlich egal. Falls die Aussicht bestehen sollte, dass Poker nicht mehr hier sein wird oder falls du deswegen vom Staat oder auf Bundesebene bestraft werden könntest, solltest du vielleicht anfangen, dir Sorgen darüber zu machen.



LP: Nur um etwas mehr Zusammenhang zu geben, Online Poker wird im Staat Washington sehr hart behandelt.

JL: Ist es ein Kapitalverbrechen der Rangstufe C?



LP: Du kennst Dich aber aus. Ja, die Strafe ist gleichwertig mit solchen Verbrechen wie Kindesmisshandlung.

JL: Ist das nicht furchtbar. Menno, ach menno! Im Staat Delaware, und eigentlich ist dies recht widersprüchlich, sind die Glückspielgesetze nicht ganz klar, also kann man sie nicht so richtig dafür fangen, wenn sie zu Hause spielen und wenn sie ihre eigenen so genannten Untergrund-Geldspiele in ihren schönen Häusern haben. Daher mussten sie eine mehr moralische Grundlage finden. Also, in einem Fall war eine Frau eine Tänzerin in einem Striplokal und natürlich endet dann alles im moralischen Problem der Sache. Folglich können sie diese Leute eigentlich nur wegen Kindesgefährdung anklagen. Dann, nach einigen Tagen, plündern unsere Nationalgardisten, die wunderbaren Beschützer des Gesetzes, ein Club-Kasino aus. Wo ist also die echte Korruption? Ist sie in deinem eigenen Haus? Ist sie etwas, dass Du überhaupt machst? Oder ist sie etwas Größeres? Ich bin eine starke und hoffnungsvolle Person. Sowohl unser Land als auch unsere Wirtschaft würden davon profitieren. Ich glaube, dass sie darauf schauen sollten anstatt zu versuchen, den moralischen Bezug zu finden. Jeder Mensch hat seine eigenen sozialen Standards und jeder Mensch hat seine eigenen Ansichten. Wenn wir dies im Privatbereich unserer eigenen Häuser machen, sollten sie uns halt einen Weg geben, dies zu machen, sodass wir beschützt sind.



LP: Also, wie geht es jetzt mir Dir weiter so in der nahen Zukunft?

JL: Es werden sich jetzt viele coole Dinge ereignen. Natürlich ist da das Playboy Mansion Wohltätigkeitsturnier für den UHI (Urban Health Institute), das eine recht coole Stiftung ist, die medizinische Ausrüstungsgegenstände und Geräte für alle möglichen Katastrophen abwirft. Es wurde von einem Doktor der Medizin gegründet. Alles kommt letztendlich auf Bürgerrechte auf. Glücklicherweise gibt mir Poker diesen Rahmen, um mich dafür zu engagieren.



LP: A propos Playboy, natürlich gab es da einen Grund, warum sie Dich für ein Fotoshooting wollten. Du bist nicht nur eine der attraktivsten Frauen im Sport, sondern viele Hollywood Filmsternchen grünen wahrscheinlich um mehrere Stufen, wenn sie Dich nur anschauen. Glaubst Du, dass Dein tolles Aussehen Dir irgendeine Überlegenheit am Pokertisch gibt?

JL: Ich sehe das eigentlich nicht wie eine Überlegenheit. Also, als ich das Playboy Fotoshooting machte, sagte mir der Photograph – oh, ich liebe ihn, den Arny, er hat schon so viel für Playboy gemacht und er ist einfach toll: „Vielleicht, wenn wir hier fertig sind, kannst Du T-Shirts von Deinen … machen, ähm, und Du kannst sie dann tragen.”



LP: Das würde eine Ablenkung am Tisch sein.

JL: Aber ich denke, dass es interessant wäre. Vorher war es ja wie: „Oh, sie wäre nie bei Playboy sofern sie nicht Poker spielen würde”. Okay, ich glaube nicht, dass ich es machen würde sofern ich nicht mit Poker zu tun hätte. Ich glaube, dass ich das einzige 24-jährige Girl bin, das, ich denke man kann sagen, die Eier hat, dies zu machen. Na und, wenn ich nicht die ganze Zeit Sport treibe, geil, ich spiele Poker.



  Wir danken Jennifer für ihre Zeit und ihre Bereitschaft, mit uns zu reden. Wir wünschen ihr Glück in ihrer Kariere!