Bots und Betrüger - PokerStars reagiert (Teil 2)

Bots and cheats

Teil 2

Eine Reihe von ihnen gehörte offenbar einer chinesischen Pokerschule in der Stadt Hua Zhou an, die PS-Sprecher Jeff schon im Dezember letzten Jahres bei 2+2 erwähnte. Dort werden nicht nur Seminare angeboten, sondern auch zahlreiche Computer in einem einzelnen Raum zur Verfügung gestellt, an denen die Pokerschüler lernen sollten. Offenbar kam der Betreiber - ein PS-Affiliate - seiner Pflicht, darauf zu achten, dass der Pokernachwuchs nicht an denselben Tischen spielte und sich gegenseitig half, nicht genügend nach.

DoN-SnG sind für Kollusion besonders anfällig, weil ein wenig Softplay in Bubble-Nähe vollkommen ausreicht, um sich einen Vorteil zu verschaffen. Es ist also keineswegs ein Betrug in der Dimension des UB-Skandals notwendig, bei dem so genannte Superuser alle Hole Cards der einzelnen Spieler sehen konnten.
Vielmehr reichen gelegentliches Whipsawing, Chipdumping und Softplay, um auf lange Sicht bessere Ergebnisse zu erzielen. Whipsawing bedeutet, einen Spieler ständig von zwei Seiten durch Raises und Re-Raises anzugreifen. Unter Chipdumping versteht man absichtliches Verlieren von Chips, häufig durch einen Limp-Fold auf eine unbedeutende Bet hin, die nicht durch Odds zu rechtfertigen ist, während Softplay eine besonders defensive Spielweise bezeichnet, bei der man beispielsweise verabredet, ein All-in des Komplizen generell nicht zu bezahlen. Für diese Art des Betrugs ist also weder spezielle Software noch ein Superuser-Account vonnöten.

Angesichts der Häufung derartiger Vorkommnisse bei PokerStars wuchs gerade unter den regelmäßigen Besuchern der immer noch bei Weitem größten Pokerplattform in der jüngeren Vergangenheit die Befürchtung, PS sei nicht in der Lage, den vielen Formen des Betrugs Herr zu werden. Verstärkt wurde dieser Verdacht auch dadurch, dass dort plötzlich mehrere Mitarbeiter für die Sicherheitsabteilung gesucht wurden.
Obwohl die aufflammende Panik durchaus verständlich ist, gilt es hier jedoch, auch die Sichtweise der 2+2-Community zu hinterfragen und die richtigen Fragen zu stellen: Ist die Zahl der entdeckten Falschspieler in diesem Jahr ein Beleg dafür, dass immer mehr Betrüger PS vor unlösbare Probleme stellen und Online-Poker damit nicht mehr sicher ist, oder zeigt sich vielmehr, dass das Sicherheitssystem von PS im Gegenteil sehr gut funktioniert, da Bots und Kollusion nichts Neues sind und sicher nicht nur bei PS ihr Unwesen treiben?
Hört man deshalb kaum von ähnlichen Machenschaften auf kleineren Netzwerken bzw. unabhängigen Plattformen, weil es dort keine Betrugsversuche gibt - was wie gesagt höchst unwahrscheinlich erscheint - oder weil sie dort gar nicht erst entdeckt werden?
Betrugsversuche wird es auch weiterhin geben. Wie werden die Spieler wirksam geschützt?

PokerStars hat inzwischen über zwei Millionen Dollar Entschädigung bezahlt und ein neues Softwaretool entwickelt, dass mehrere Teilnehmer aus einer bestimmten Region oder einem bestimmten Land in den DoN-SnG verhindern soll.
Bei allem Respekt gegenüber der Aufmerksamkeit und dem Scharfsinn einiger 2+2-Aktivisten, die unermüdlich analysieren und damit teilweise erstaunliche Ergebnisse erzielen, über das wahre Ausmaß der Betrugsversuche kann man nur spekulieren. Am 19. Juli schrieb Sicherheitsmitarbeiter „PokerStarsJeff" in dem Thread zu den entdeckten Poker-Bots:
„Der Großteil der von uns entdeckten und entfernten Bots wird ohne Hilfe der Spieler erkannt. Allein in den letzten vier Monaten haben wir über 8000 verdächtige Spieler überprüft und dabei 258 Bots entdeckt und entfernt. „

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